Arbeitsrecht 

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Altersdiskriminierung im Bewerbungsverfahren – Arbeitgeber mit fingierter Testbewerbung auf die Probe gestellt

Mit Urteil vom 09.04.2014 hat das Landesarbeitsgericht (LAG) Schleswig-Holstein entschieden, dass allein der Altersunterschied zwischen zwei unterschiedlich behandelten Bewerbern noch keine Diskriminierung wegen des Alters vermuten lässt. Notwendig sei eine größtmögliche Vergleichbarkeit der Personen, der Bewerbungssituation und das Fehlen anderer Aspekte.

Dem Sachverhalt lag eine Bewerbung eines 50-jährigen Bewerbers zugrunde, der sich bei dem Arbeitgeber als Servicetechniker bzw. Serviceingenieur im Innendienst beworben hatte. Da die geforderten Praxiserfahrungen bei ihm bereits einige Jahre zurücklagen, schickte er an den Arbeitgeber zusätzlich eine Testbewerbung, mit einer von ihm frei erfundenen 18 Jahre jüngeren Person ab. Der Arbeitgeber lud den fiktiven Bewerber zu einem Vorstellungsgespräch ein und sagte dem tatsächlichen Bewerber ab.

Nachdem das Arbeitsgericht Neumünster dem Bewerber die Zahlung einer Entschädigung von € 2.000,00 wegen Altersdiskriminierung zugesprochen hatte, wies das LAG die Klage insgesamt ab.

Dies mit der Begründung, dass keine Indizien für die Vermutung vorliegen, dass der Kläger wegen seines Alters benachteiligt worden sei. Aus Sicht des Landesarbeitsgerichts hatte der Arbeitgeber seine Auswahlentscheidung auf die nach der Papierform aktuelleren Erfahrungen des fiktiven Bewerbers im Bereich der elektronischen Entwicklung und den von diesem jahrelang durchgeführten Kundensupport gestützt.

Offengelassen hat das LAG, ob im Zusammenhang mit der Testbewerbung ein Verstoß gegen ein Strafgesetz oder eine Rechtsmissbräuchlichkeit vorlag.

LAG Schleswig-Holstein, Urteil vom 09.04.2014 – 3 Sa 401/13 (Pressemitteilung)

verfasst am 16. Mai 2014

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